Rollin' Rockies Ansichten 1.051 / Bewertung 2.89

Wilde Canyons, weite Kurven über Hochebenen, enge Serpentinen auf mehr als 3000 Meter hohe Pässe – auf der tausend Meilen langen Schleife von Vail über Grand Junction, Crested Butte, Aspen, Steamboat Springs und zurück nach Vail bekommt man alles zu sehen, was die Rocky Mountains ausmacht. Vor allem aber geht es bei der Oldtimer-Rallye "Colorado Grand" um die Autos und was noch in ihnen steckt. Teilnehmen dürfen ausschließlich Sport- und Rennwagen bis Baujahr 1965. Und – eine absolute Ausnahme in den USA – das sonst so streng überwachte Tempolimit ist inoffiziell aufgehoben. Die acht Motorrad-Polizisten, die den Tross der rund hundert Auto-Raritäten begleiten, ermuntern die Teilnehmer auf freien, gut einsehbaren Strecken sogar dazu, das Gaspedal durchzutreten.

So geht es dahin mit oft mehr als 200 km/h, und die alten Bugatti-, Ferrari-, Porsche- oder Mercedes-Motoren brüllen, kreischen und röhren ihre Melodie von Kraft und Geschwindigkeit in die sonst so stille Bergwelt. Die Gesetzeshüter sind auch deshalb so nachsichtig, weil der Großteil der 7000 Dollar Teilnahmegebühr pro Auto für wohltätige Zwecke gespendet wird. Und weil die Rallye auch für sie die Gelegenheit ist, einmal ziemlich rasant durch diese atemberaubende Landschaft zu brausen.

Anders als Oldie-Wettfahrten in Europa, wo penible technische Abnahmen und exaktes Timing beim Durchfahren der Messpunkte zum üblichen Programm gehören, ist die "Colorado Grand" sehr viel entspannter. Die Veranstaltung ist im Grunde eine flotte Ausfahrt sehr reicher und sehr autoverrückter Menschen, die immer wieder Pausen einlegen – zum Beispiel in einem alten Coffeeshop, einer hübsch gelegenen Eisdiele oder an einem kleinen Automuseum. Es geht ums Erlebnis, nicht um Bestzeiten oder gar ums Gewinnen. Denn Gewinner sind praktisch alle, die überhaupt einen der raren Plätze bei der "Colorado Grand" ergattern konnten.

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